Für Mission zu beten, ist gefährlich!

Für Mission zu beten, ist gefährlich. Das wohl kürzeste Missionsgebet hat der Prophet Jesaja gesprochen: „Hier bin ich, sende mich“ (Jes. 6,8b). Er sagte dieses Hingabegebet, nachdem er Gottes Gegenwart erlebt hatte und davon vollkommen überwältigt war.

Mission hat mit Sendung zu tun. Ursprünglich kommt dieser Begriff aus dem Lateinischen, wo er tatsächlich auch für „senden“ steht. Die Erfahrung der Gegenwart Gottes mündet sehr oft in die „(Aus-)Sendung“. Eines der erstaunlichsten Beispiele hierfür liefert die Herrnhuter Brüdergemeine (sic!) aus Sachsen. Diese traf sich am 13. August 1727, bekannte ihre Sünden und teilte das Abendmahl. Das war an sich nichts Ungewöhnliches, weil die Mitglieder häufig zu einem solchen Zweck zusammenkamen. Doch dieses Mal war alles anders. Denn als sie den Gottesdienst vollzogen, kam der Geist Gottes mit einer solchen Kraft über die Gemeinschaft, dass sie anschließend eine Gebetskette initiierte. Diese „Gebetsgemeine“, die sich bisher versteckt in einem abgelegenen deutschen Dorf getroffen hatte, trug daraufhin das Evangelium bis an die Enden der Erde und führte mitunter Leute wie John Wesley zu Jesus. In den folgenden 200 Jahren sandte der kleine Gebetskreis insgesamt 3.000 Missionare aus.

„Am Anfang der Mission steht das Gebet“, schreibt Ulrich Parzany. Sendung beginnt demnach mit dem Hören auf Gottes Ruf. Mission ist nicht irgendeine eigenmächtige Aktion und sei sie noch so religiös. Des Weiteren ist Gott ständig auf der Suche nach Menschen, die er geschaffen hat und die er retten will. Aus dem Grund darf nicht nur vor unserer Sendung durch Gott das Hören und Antworten – also das Beten – von Bedeutung sein, sondern es bleibt fortdauernd die entscheidende Tätigkeit in jedwedem Dienst, den wir für Gott verrichten. Evangelistische Verkündigung muss aus der Schrift kommen – aus der Überzeugung und dem Wissen heraus, dass sie notwendig ist. Nun kann sie aber nicht ohne die richtige Herzenseinstellung geschehen, ohne innere Anteilnahme und die tätige Liebe an Arbeitskollegen, Nachbarn und Bekannten.

Wen soll Gott senden, wenn nicht uns selbst? Doch wie sollen wir gehen, wenn nicht mit einem bewegten, für die Not der Menschen sehend gewordenen Herzen? Mit dem Gebet tut die Gemeinde etwas sehr Wichtiges für verlorene Menschen: Sie bringt konkrete Namen von Personen in der Fürbitte vor Gott und damit deren Leben mit ihm in Berührung. Das ist ein priesterlicher Dienst. Dabei kann jeder in der Gemeinde sich in diesem Dienstbereich einsetzen. Niemand ist zu jung oder zu alt, zu arm oder zu reich, zu schwach oder zu stark, um für andere zu beten. Gleichzeitig wird eine betende Gemeinde bald entdecken, dass ihr Gebet Auswirkungen auf die Menschen hat, für die sie vor Gott eintritt. Und natürlich hat es auch Rückwirkungen auf sie, die Betenden, selbst. Gott zeigt ihnen nämlich auf, ob und wie sie für andere Menschen eine Hilfe sein können. Er verändert die einzelnen Gemeindemitglieder, indem er ihr Herz umformt und ihre Ängste wegnimmt. Er macht die Gemeinde mutig und kreativ. Somit werden Gleichgültigkeit und Lieblosigkeit durch eine neue Hingabe an ihn und die Menschen ersetzt.

MERKE: Gottesdienstleiter sowie Verantwortliche für Gebetsversammlungen achten darauf, dass die Gemeinde regelmäßig und namentlich für Menschen in ihrer Umgebung betet – für Personen, die Jesus Christus noch nicht nachfolgen. Dabei wird die Gemeinde unweigerlich eine missionarische Dynamik entwickeln und Veränderung erleben.

29. Juni 2023

H. Klassen

 

Nach oben scrollen